Im Porträt: Illustratorin und Künstlerin Hannah Ludy
Bild: Hannah Ludy
Hi Hannah, stell dich gerne kurz vor!
Hey, ich bin Hannah, 1994 in Esslingen geboren und im wunderschönen Oberschwaben, in Herbertingen im Landkreis Sigmaringen, aufgewachsen. Seit zweieinhalb Jahren lebe und arbeite ich als Illustratorin und Künstlerin in Neu-Ulm.
Unter meinem Markennamen Hannibelle verkaufe ich meine Zeichnungen auf Emaillegeschirr, Jutebeuteln und umweltfreundlicher Papeterie aus Graspapier. Bei meinen Malereien entstehen durch die Kombination von Marmormehl, Eisengrund und Oxidationsprozessen ungegenständliche Werke mit faszinierenden Oberflächenstrukturen.
Bild: Illustration Hannah Ludy
Bild: Malerei Hannah Ludy
Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?
Durch mein Studium: Grundschullehramt mit den Hauptfächern Deutsch und Kunst. (lacht)
Mir war relativ schnell klar, dass es das nicht ist. Deshalb war ich auch nur in den Kunsträumen unterwegs und habe mich kreativ ausgetobt. Nebenbei hatte ich einen Hiwijob an der Hochschule, bei dem ich andere Studierende im Fach Kunst betreute - das hat mir super viel Spaß gemacht.
2016 habe ich dann einfach mal angefangen meine Zeichnungen und Malereien auf Social Media zu teilen – das war der Beginn von Hannibelle.
Hast du dein Studium dann abgebrochen und mit der Kunst weitergemacht?
Nein, ich habe mein Studium tatsächlich abgeschlossen. Ich habe zwar länger studiert, weil mein Fokus auf meiner Kunst lag, aber das war egal. Mir war es wichtig, einen Abschluss in der Tasche zu haben – als Sicherheit.
Hast du als Kind auch schon gerne gezeichnet?
Ja, sogar mehr als das. Malen, Zeichnen und Basteln gehörten schon immer zu meinem Alltag. In der 1. Klasse habe ich mal eine Fadeninstallation durchs ganze Haus kreiert. Das gesamte obere Stockwerk war mit Fäden bespannt und das musste eine Woche lang so bleiben, sehr zum Leidwesen meiner Eltern, die auch durch den Parcours krabbeln mussten, um ins Schlafzimmer zu kommen. (lacht)
Ok, wow, da hat sich die Künstlerin definitiv schon früh abgezeichnet…
Auf jeden Fall, auch wenn mir das lange gar nicht so richtig bewusst war. Für mich war meine Kreativität ganz „normal“ – sie war einfach da. Nach der Schule hatte ich noch gar nicht auf dem Schirm, dass ich damit auch beruflich etwas machen könnte.
Wie ging es denn während bzw. nach deinem Studium mit deiner Kunst weiter?
Ich habe noch während des Studiums einen Onlineshop mit Karten und Jutebeuteln eröffnet, erste Malereien verkauft und davon geträumt von meiner Leidenschaft leben zu können. Mein großer Traum war es, mit einem Oldtimer durch Europa zu reisen und meine Werke unterwegs auf Kunstmärkten zu verkaufen.
Mittlerweile bin ich seit über vier Jahren selbstständig, mein Sortiment hat sich weiterentwickelt und ich verkaufe meine Emailletassen, Notizbücher & Co nicht nur über meinen Shop, sondern auch europaweit an Läden. Ich durfte für andere Labels wie Klean Kanteen oder MAXXCAMP illustrieren und meine letzte Ausstellung war während der Ravensburger Kunstnacht.
Bild: Kunstausstellung Hannah Ludy
Was ist aus dem Oldtimer und der Europareise geworden?
Den Traum vom eigenen Oldtimer habe ich mir erfüllt: Es ist ein knallblauer Benz und er heißt Guschdl. Anfangs hatte ich zwar echt Probleme mit der alten Gangschaltung, aber mit ein bisschen Übung hat sich das schnell erledigt. Mein Freund und ich haben ihn gemeinsam zum Camper ausgebaut und sind auch viel damit unterwegs – allerdings ohne meine Produkte. Das würde gar nicht alles ins Fahrzeug passen und ein bisschen Urlaub zwischendurch tut auch mal gut.
Bild: Hannah mit ihrem Oldtimer “Guschdl”
Ich fahre mit Guschdl und einer Auswahl meiner Hannibelle-Produkte im Gepäck aber trotzdem gerne immer mal wieder auf Märkte hier in der Region.
Bild: Marktstand Hannibelle
Was inspiriert dich?
Ich war schon immer ein absolutes Campingkind und die Leidenschaft ist geblieben. Es gibt ein Babybild von mir, am Lago Maggiore, als ich auf der Motorhaube vom Golf gewickelt wurde (lacht). Roadtrips und Draußenzeit sind meine größte Inspiration. Ich liebe das Gefühl von Freiheit und die Verbundenheit mit der Natur und das möchte ich mit meinen Produkten teilen.
Bild: Emaillebecher von Hannah Ludy
Die Inspiration für die Malerei ist schwieriger zu erklären. Das sind zum Beispiel Fotos von Farbverläufen im Gestein, die ich auf Reisen gemacht habe oder Nahaufnahmen von Dachrinnen, die mehrmals überstrichen wurden, bei denen die Farbe aber immer wieder abplatzt. Nur bei genauem Hinschauen erkennt man darin wunderschöne Kompositionen.
Wie entstehen deine Zeichnungen, Produkte und Malereien?
Bei meinen Zeichnungen skizziere ich die Motive zuerst mit Bleistift und arbeite sie dann mit schwarzen Finelinern in unterschiedlichen Stärken aus. Anschließend digitalisiere ich die Zeichnungen und dank der Hilfe ausgewählter Produktionsparner:innen entstehen daraus die Lieblingsprodukte für meinen Shop. Die Jutebeutel bedrucke ich selbst in der Siebdruckwerkstatt der Griesbadgalerie in Ulm.
Bild: Hannah Ludy
Für meine Malereien mische ich Marmormehl mit Pigmenten und trage die Masse sowie den Eisengrund mit einer Spachtel in mehreren Schichten auf. Mithilfe verschiedener Oxidationsmittel entstehen aus dem Eisengrund Rostelemente. Die Farben eines Bildes verändern sich auch nach der Fertigstellung, je nach Luftfeuchtigkeit. Alles ist immer im Wandel, ein Prozess – genau so ist es bei meinen Werken auch.
Welche Tipps würdest du jemandem geben, der sich selbständig machen möchte?
Auch wenn du liebst was du tust: Denke an Pausen, scheitern gehört dazu und feiere unbedingt deine Erfolge!
Mehr Infos
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